Trendforscherin Christiane Varga findet, dass intelligente Häuser oft an den Wünschen der Menschen vorbeigehen. Ihre Vision heißt Co-Housing: Wir leben in kleinen Wohnungen und feiern in großen Gemeinschaftsküchen
Christiane Varga arbeitet am Thinktank des Wiener Zukunftsinstituts. Die Forscherin beschäftigt sich mit New Living, New Work und Geschlechterrollen. Sie ist eine der Autorinnen der Trendstudie „Zukunft der Gemeinnützigkeit“

Ein Haus mit großem Garten, möglichst nah an der Stadt. Oder eine herrschaftliche Altbauwohnung.
Wie realistisch sind solche Wohnträume in Zukunft?

Sicher sind Altbauapartments in Ballungsräumen nach wie vor begehrt. Allerdings wird es immer unwahrscheinlicher, selbst in so einer Immobilie zu leben. Gerade in begehrten Ballungszentren wird sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt weiter verschärfen. Deshalb sind neue Konzepte nötig – wir sprechen vom „Conceptual Living“.

Zum Beispiel?
Nehmen Sie das Co-Housing: Mehrere Wohnungseinheiten werden durch gemeinsam genutzte Räume ergänzt.

Der Wirtschaftsraum im Keller, in dem sich alle treffen, erlebt ein Revival?
Ja, aber auch Gemeinschaftsküchen sind denkbar. Oder größere Räume, in denen man in großer Runde einen Geburtstag feiern kann.

Das klingt nach Studentenwohnheim …
Sicher. Aber es wird hochwertiger. Und es ist sichergestellt, dass man sich in seine Privaträume zurückziehen kann.

Intelligente Kühlschränke, Haushaltsroboter – wie viel Science-Fiction wird in unserem Zuhause künftig Alltag sein?
In wenigen anderen Bereichen ist die Kluft zwischen „theoretisch möglich“ und „praktisch erwünscht“ so groß wie beim Thema Wohnen. Dass etwa der smarte Kühlschrank die Lebensmittel verwaltet und Daten über uns  weitergibt, ist zwar machbar. Das möchte aber keiner. Anders sieht es beim Thema altersgerechtes Wohnen aus: Da gibt es schon heute Anwendungen, die stark nachgefragt werden, etwa Sensoren, die Stürze bemerken und melden.

Lange galt der Trend zum Home-Office als positive Entwicklung, jetzt machen viele Unternehmen einen Rückzieher. Hat das Arbeitszimmer daheim noch eine Zukunft?
Tatsächlich sieht es im Moment so aus, als würde das Home-Office an Bedeutung verlieren. Doch die Arbeitswelt wird sich weiter stark verändern. Der kreative Wissensarbeiter von morgen möchte entscheiden: Brauche ich in einer bestimmten Phase meines Projekts Ruhe? Oder sind mir kurze Wege und der Austausch mit den Kollegen wichtiger? Die Antwort wird sehr individuell ausfallen.

Wie möchten Sie selbst in Zukunft am liebsten wohnen?
Mein Zuhause kommt der Idee des „Conceptual Living“ schon ziemlich nahe: Es ist keine klassische Wohnung, sondern ein großer Raum ohne Trennwände, in dem ich verschiedene Wohnzonen eingerichtet habe. Im Moment funktioniert das sehr gut. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass sich mein Wohnverhalten irgendwann ändert; dass dann Räume mit Türen, die man hinter sich schließen kann, an Bedeutung gewinnen.


Hier finden Sie einen Filmbeitrag zum Wohnen in der Zukunft


Quelle: SCHEKKER, das Jugendmagazin der Bundesregierung